Technik schlägt Zustand selten
Wir können uns vornehmen, ruhig zu wirken. Der Körper macht sowieso, was er will.
Wir können uns vornehmen, ruhig zu wirken. Der Körper macht sowieso, was er will.
Bei Gesprächsvorbereitungen geht es meistens um Technik. Wie formuliere ich den Einstieg, wo mache ich eine Pause, wie reagiere ich auf die Frage, die ich nicht will. Alles sinnvoll. Ich frage trotzdem selten: ist die Technik bereit?
Ich frage oft: mit welcher inneren Haltung gehst du in das Gespräch?
Und dann hake ich gern nochmal nach. Worauf basiert die Haltung. Ist sie echt. Fühlst du sie.
Weil dein Gegenüber sie in den meisten Fällen mindestens unterbewusst spürt. Egal wie langsam du sprichst.
Langsamer sprechen, Pausen setzen, tiefer atmen: alles hilfreich, alles Symptombehandlung. Es sind Werkzeuge für den Fall, dass der Zustand darunter stimmt. Stimmt er nicht, machen sie die Lücke größer statt kleiner. Jemand spricht auffällig ruhig und der Rest von ihm ist es nicht. Das merkt man sofort, auch wenn man es nicht benennen kann.
Besonders in Teams, die sich auch menschlich nah sind. Da geht der Abgleich schneller. Die Leute haben dich schon zwanzig Mal entspannt erlebt, die brauchen keine Analyse, die brauchen zwei Sekunden.
Ich vertrau Menschen, die sagen “ich bin gerade angespannt”, viel mehr als denen, die makellos gelassen wirken wollen. Nicht weil Anspannung sympathisch ist. Sondern weil damit die Lücke weg ist. Es gibt nichts mehr abzugleichen, und der Rest des Gesprächs kann sich mit der Sache beschäftigen statt mit der Frage, was hier gerade gespielt wird.
Genau da wird es für viele unangenehm. Wer den Zustand benennt, gibt ihn zu. Wer die Technik benutzt, kann so tun, als gäbe es keinen. In Kambodscha haben meine Freunde zu sowas immer gesagt: same same. Passt hier ganz gut.
Theater ist halt Theater. Privat und beruflich.
Das Unangenehme daran ist übrigens nicht, dass andere die Performance durchschauen. Das Unangenehme ist, dass man sie selbst oft nicht durchschaut. Man kann jahrelang üben, ruhig zu wirken, und irgendwann fühlt sich das Üben an wie Ruhe.
Also, Salz in die Wunde: Woran erkennst du bei dir selbst den Unterschied zwischen echter Ruhe und der Performance davon?