Als Frau alleine auf Weltreise & warum diese Erfahrung überwältigend ist
Es ist schon merkwürdig. Als ich vor Beginn meiner Weltreise anderen Menschen erzählt habe, dass ich für unbestimmte Zeit die Welt bereisen möchte, war die erste Frage meistens: “Mit wem?”.
Es ist schon merkwürdig. Als ich vor Beginn meiner Weltreise anderen Menschen erzählt habe, dass ich für unbestimmte Zeit die Welt bereisen möchte, war die erste Frage meistens: “Mit wem?”. Als ich dann antwortete: “Allein” gingen die Reaktionen von bemitleidenden Blicken, über erschrockene Gesichtsausdrücke bis hin zu weiteren Fragen voller Sorge. Ja, ich bin alleine als Frau unterwegs gewesen. Freiwillig.
🙂↕️ Ja, ich ich möchte mir am liebsten die ganze Welt ansehen. Immernoch.
🙂↕️ Und nein, ich habe keine Angst davor. Hatte ich nie.
Ich glaube, dass viele Menschen eine andere Vorstellung von dem Reisen haben als ich. Wenn ich alleine reise, dann liege ich nicht den ganzen Tag gelangweilt alleine am Pool, weil ich niemanden habe, mit dem ich Wasserball spielen könnte. Wenn ich alleine reise, dann laufe ich nicht nachts alleine durch dunkle, unbeleuchtete Gassen auf der Suche nach Taxen und voller Angst überfallen zu werden. Wenn ich alleine reise, dann bin ich selten allein, nämlich nur dann, wenn ich es mir bewusst so aussuche.
… 8500 Euro & die Kündigung. Und sonst?
Ich hab dir im letzten Newsletter erzählt wie alles anfing, ich den Blog gebaut hab, mir mein Mini Budget (übrigens durch den Verkauf meines Mini Coopers) organisiert hab und wie es losging. Aber in mir drin gab es noch andere Themen, die ich nicht verschweigen will.
Auch das hat neben Geld, Orga und Work eine Rolle gespielt.. das “Aussen”. Und dann umso mehr “das Innen”. Das wurde recht schnell klar, dass ich mit mir selbst Reise und es uns (also mir und mir) lieber direkt zu Beginn schön machen möchte ;) Etwas, das bis heute eine Erkenntnis ist, die mich begleitet: Ich hab mich immer dabei, ich sorg also besser dafür, dass es mir gut geht 🥰
Es heißt Freiheit statt Einsamkeit
Tatsächlich heißt alleine reisen, dass ich die Freiheit habe, Pläne zu schmieden, um sie am nächsten Tag einfach wieder umzuwerfen. Dass ich mir stundenlang Zeit lassen kann mit der Auswahl meines Abendessen, ohne dass ein zweiter knurrender Magen mir Zeitstress macht. Ich schlafe manchmal um neun Uhr abends und keiner fragt mich, warum ich denn so früh schon müde bin. Alleine reisen heißt, selbstbestimmt zu reisen. Ohne Kompromisse. Die einzigen Kompromisse werden in der Regel von den eigenen Werten & Normen oder vom Geldbeutel bestimmt.
Das hört sich widersprüchlich an? Ist es aber nicht. Es ist einfacher und ich bin freier, ungebundener und vorallem strahlen Alleinreisende doch häufig eine viel offenere Aura aus, als ein reisendes Paar, welches auch gern mal unter sich bleibt.
Du hast jeden Tag aufs Neue die Wahl, ob du die Zeit mit anderen Menschen verbringen möchtest, oder ob du lieber Zeit mit dir selbst verbringst. Feel free & enjoy!
Menschlichkeit steht im Vordergrund, nicht das Geschlecht
Na klar, ich bin eine Frau, ich bin angreifbarer als es vielleicht ein Mann wäre. Das sagen alle. Aber ist das wirklich so? Ich nehme es überhaupt nicht so wahr. Ganz im Gegenteil. Es ist sogar eher so, dass ich manchmal das Gefühl habe, in vielen Fällen bevorzugt behandelt zu werden, weil ich eine Frau bin. Damit meine ich, dass andere Menschen mir nachts bei der Suche nach einem Taxi den Vortritt lassen, dass freundliche Menschen mich ansprechen und fragen ob sie mir helfen können, wenn ich verzweifelt auf meine maps.me App starre und keine Ahnung habe, in welche Richtung die nächste Skytrain- Station in Bangkok ist.
Definitiv fühlte ich mich immer sicher und bisher hatte ich zu keinem Zeitpunkt ein mulmiges Gefühl, weil ich alleine als Frau unterwegs bin. Häufig spielt das Geschlecht auch einfach keine Rolle. Hotelbesitzer, Hostelmamas und Airbnb Gastgeber sind stets super hilfsbreit, egal ob mit Infos, dem Gepäck oder logistischem Kram. Es spielt dabei keine Rolle, wer du bist oder was du kannst. Einzig die Menschlichkeit steht hier im Vordergrund. Du hast ein Lächeln auf den Lippen? Dann wirst du von deinem Gegenüber auch sicher eines zurückbekommen, ganz egal ob Mann oder Frau.
Manchmal gibt es natürlich schon gruselige Momente, die gar nicht so easy sind… Die Walhaie auf den Philippinnen haben mich schon Gänsehaut bekommen lassen. Da will ich auch nicht lügen :D
Du hast nur einen Feind 👻
Egal ob Mann oder Frau. Wenn du alleine reist hast du im Prinzip nur einen Feind. Und das bist du selbst. Direkt zu Beginn meiner Weltreise wurde mir das sehr bewusst. Es ist unglaublich schwierig viel Zeit mit sich selbst zu verbringen, wenn man sich selbst nicht mag.
Klingt logisch. Ist es auch. Das führt übrigens dazu, dass ich nach 4 Wochen Neuseeland in einer kleinen, einfachen Hütte weit weg von allem, im Golf von Thailand gelandet bin.
Ich bin viel gelaufen, habe gelernt, dass das Spazieren für mich eine Art Meditation ist. Dass ich dabei meine Gedanken sortieren kann und dass es mir hilft, Ordnung in Geist und Seele zu schaffen. Diese Erkenntnis war für mich Gold wert! Ich habe meine Werte und Normen überdacht, mein Sozialverhalten, einfach alles und habe dabei über mich selber gelacht, weil ich dachte, dass ich so langsam zum Hippie mutiere. Aber es war toll. Und unglaublich wichtig.
Alleine zu reisen, heißt sich selbst & die Welt zu lieben
Ich könnte stundenlang weiterschreiben, denn ich war schon immer sehr verliebt in das Soloreisen. Es ist wundervoll.
*Diesen Text habe ich vor vielen Jahren geschrieben und heute nur minimal angepasst. Gehört zu dem Kern meiner Persönlichkeit. Das Original mit Bildern auf dem Blog von Hostelworld (damals mein Kooperationspartner) findest du hier:
Teil 1 war übrigens der hier:
Zuerst erschienen in meinem LinkedIn-Newsletter #newworkafterdark.