Wie eröffnest du eine Bar im Paradies? So geht´s.

Wie eröffnest du eine Bar im Paradies? So geht´s.

Zwischen Traum und Alptraum: Ich baue mir eine Bar/ ein Hostel im Paradies

Mit 16 hatte Ben zum ersten Mal den Gedanken, dass er gern einmal in Asien leben möchte. Mit 8 Jahren bereiste der gebürtige Londoner das erste Mal mit seiner Familie Thailand und Malaysia und er war fasziniert. Zunächst hatte er die Idee als Tauchlehrer die Welt zu bereisen, es kam jedoch der Punkt, an dem er feststellte, dass das Leben vielleicht doch mehr mit ihm vorhatte.

Er nahm Jobs in Bars an um sein Studium zu finanzieren und begann Industriedesign zu studieren. Er liebte die kreative Arbeit, eine unglückliche Aneinanderreihung von Zufällen, machte jedoch sein komplettes Designportfolio zunichte. Die Erfahrungen und das Handwerk konnte ihm aber niemand mehr nehmen.

Was hatte er also? Fundiertes Wissen aus dem Studium im Bereich Design und einen Haufen Erfahrung mit Bars. Nach dem Studium fokussierte er sich auf die Bars und managte erfolgreich einige Bars in Brighton und London. Er legte Geld zur Seite, denn sein Ziel verlor er nie aus dem Blick: Asien.

Anfang 2015 war es dann so weit, ab in den Flieger. Sein Weg sollte ihn nach Burma führen. Dort kam er allerdings nie an. Denn das Leben schaltete sich ein und er landete bei einer Hochzeit eines Freundes in Kambodscha. Ihm gefiel das Land, also blieb er und managte auch dort letztendlich eine Bar, bevor er sich seinen Ängsten stellte und begann seinen Traum zu verwirklichen: Er baute sich seine eigene Bar. Auf einer Insel. Im Paradies.

Zwischen Ängsten, Träumen und dem Paradies

Absolute Isolation bestimmten von Beginn 2016 bis zur Eröffnung des Nest Beach Clubs Bens Alltag. Er hatte Angst, denn er investierte alles was er hatte, kannte weder das Land noch die Gesetze, musste seinen Geschäftspartner vertrauen und hatte natürlich vorher etliche Horrorgeschichten über den Traum von der eigenen Bar im Paradies gehört. Er hatte aber eigentlich keine Zeit für Sorgen, denn nachdem er den Bauplan für den Nest Beach Club fertiggestellt hatte, musste das ganze ja auch noch umgesetzt werden. Bauarbeiter und er. Bauarbeiter, die wenig bis gar kein Englisch sprachen, kein Telefon, kein Internet, absolute Isolation. Alles für seinen Traum. Im Juni 2016 öffnete der Nest Beach Club und ein Traum wurde wahr. Und er sollte noch weitergehen.

Ich bin übrigens im September 2016 auf Koh Rong angekommen und habe mich sofort in die Insel verliebt und das Nest, wie ich es liebevoll nenne, von da an voller Liebe und mit viel Energie begleitet.

nest beach club koh rong

Habt ihr auch Zimmer?

Nicht nur der junge Auswanderer, sondern auch dieser einzigartige Strand standen vor einer neuen Herausforderung. Täglich kamen Reisende mit ihren Rucksäcken hereinspaziert und fragten nach einer Unterkunft für die Nacht. Es gab einfach nicht genug Unterkünfte auf dieser Insel, die über einen alten, abgenutzten Dorm hinausgingen. Da ist eine Lücke auf der Insel. Entweder du schläfst in diesen Dorms im Zentrum der Insel oder du gönnst dir einen eigenen Bungalow mit Doppelbett, bezahlst aber auch dementsprechend viel. Wieso aber gibt es keine hübschen Dorms zum Wohlfühlen an diesem paradiesischen Strand?

Jetzt gibt es sie. Auch, wenn das alles nicht ganz so einfach war. Du fragst dich, was daran so kompliziert sein kann, eine Unterkunft auf einer Insel in Kambodscha zu bauen? Ich werde es dir erzählen.

Nachdem der Beachclub also Menschen mit seinem Charme, seinen Drinks und Parties verzauberte, sollte es auch ein kleines Hostel gebe. Alles begann mit der Idee und dem Design. Ben hat seinen Kopf mal wieder in seinem Notebook vergraben und entwarf seine perfekten Dorms. Sowohl das Design für den Beach Club, als auch für die Dorms stammen aus seiner “Feder”. Als alles begann, war noch nicht klar, dass das Design und der Bauplan für die Unterkünfte bei weitem nicht die größte Herausforderung werden sollten.

nest beach club koh rong

Wie bringt man 50 Tonnen Baustoffe am besten auf eine kleine Insel?

Mit einem Boot. Und was macht man, wenn man keinen Anlegesteg hat? Man nimmt ein kleineres Boot, lässt es etwa 20 Meter entfernt vom Strand ankern und trägt jeden einzelnen Sack mit Zement, jedes einzelne Stück Holz zu Fuß vom Boot an den Strand. Und es ist natürlich klar, die Baustoffe dürfen nicht nass werden. Dann liegen die Baustoffe irgendwann am Strand. Hier wird aber nicht gebaut, sondern hinter dem Beachclub, im Dschungel. Ein weiter und mühseliger Weg für die Baustoffe.

Ach ja, da war ja noch was: der Dschungel. Als Naturliebhaber entschieden sich die Verantwortlichen natürlich so viel Dschungel wie möglich am Leben zu lassen. Aber ein paar Pflanzen mussten trotzdem ihren Platz räumen. Und, mit den riesigen Steinen im Boden hatte auch niemand so richtig gerechnet. Maschinen um die Steine, oder eher Berge im Boden zu beseitigen? Fehlanzeige, jeder einzelne Fels im Boden musste per Hand rausgeschlagen werden. Das hat nicht bei allen “unterirdischen Bergen” geklappt. Also wurde das Dorm- Haus kurzerhand um ein paar Meter zur Seite verschoben. Zum Glück, bevor das tatsächliche Fundament gelegt wurde. Welcome to Cambodia.

nest beach club koh rong

Die Affen sind los!

Das Paradies. Ein bisschen Dschungel, ein bisschen Meer, wundervolles Klima. Klingt nach einem Traum, ist es auch. Das finden auch die Affen, die auf der Insel leben und regelmäßig auf der Suche nach Essen oder nützlichem, Unfug auf der Baustelle treiben. Ab und an gibt es auch mal erschrockene Hilferufe, wenn eine Schlange oder giftige Spinne die Baustelle besucht. Da erscheint es auch irgendwie nicht mehr verrückt, dass die meisten Bauarbeiter einfach in Flip Flops arbeiten und sicher Baugerüste und Co aus übriggebliebenem Holz zusammen zimmern.

Wer sich auf andere verlässt, ist selbst verlassen vs. Korruption in Kambodscha

Der Vertrag mit dem Bauleiter war klar. Für jeden Tag, den er das Zieldatum überschritt, sollte er eine Strafe zahlen. Als die Dorms nicht fertig wurden und der Bauleiter stattdessen mehr Geld forderte, entschieden die Verantwortlichen, Ben und Co, also einen neuen Bauleiter einzusetzen. Es war bereits viel Geld und Zeit ins Land gegangen ohne die Meilensteine zu erreichen.

nest beach club koh rong

Auf den Vertrag bestehen und Anwälte oder die Polizei einschalten? In Kambodscha eher aussichtslos und daher keine Option. Ein neuer Bauleiter mit guten Bauarbeitern musste also her. Kein Problem, ein paar Freunde gefragt, schon gab es die “eine Empfehlung”. Neuer Bauleiter, neue Bauarbeiter, neues Zieldatum. Du fragst dich ob dann alles wie am Schnürchen lief? Natürlich. Nicht. Die Hälfte der Bauarbeiter hatte auf dem Weg zum Boot zur Insel einen leichten Autounfall und fiel damit aus. Ersatz gibts nicht. Statt acht helfender Menschen, kamen also drei. Und die nahmen sich natürlich für Neujahr, Weihnachten und chinesisches Neujahr erstmal eigenmächtig frei. Auch, wenn die Khmer eigentlich gar kein Weihnachten feiern. Aus 2 Wochen bis zur Fertigstellung wurden also 3. Schon wieder. Nichts, auf das man sich verlassen kann.

Wenn sich das so anhört, als wäre das Bauen im Paradies gar nicht so einfach, dann stimmt das. Aber es ändert nichts daran, dass mit dem Nest Beach Club und den Nest Dorms ein wundervoller Ort geschaffen wurde, an dem man das Paradies in allen Zügen genießen kann und zudem dennoch das Zentrum der Insel schnell erreichen kann.

Stell dir vor, du hast mehrere zehntausende Euro in dein Business investiert, hast Business Partner, die auch investiert haben, um den Bau des Dorms möglich zu machen und dann läuft nichts nach Plan. Irgendwo in Kambodscha. Ich denke der tollste Tag in 2017 war für Ben weder Weihnachten noch sein Geburtstag, es ist der Tag, an dem die Dorms endlich fertig wurden.

Der Weg war spannend & das Ergebnis kann sich sehen lassen

Ich teile diese Geschichte mit dir, weil ich diesen wunderbaren Ort auf meiner Weltreise gefunden habe und jeden Schritt der Entwicklung der Dorms selber bewundern durfte. Es war schockierend, die mangelnde Arbeitssicherheit zu sehen, es war atemberaubend, die Schönheit der Natur an diesem Ort zu betrachten und es war beeindruckend die Motivation von Ben und seinem Team zu beobachten.

placeless koh rong

Zum Abschluss unseres Gespräches, als ich ihn zu den Details gelöchert habe, sagte Ben übrigens noch folgende Worte, die ich mal frei übersetze, da sie diese Geschichte wundervoll abschließen:

Es mag alles sehr steinig und schwierig erscheinen, es kostet unglaublich viel Energie, Zeit und Nerven. Am Ende erfülle ich mir jedoch einen Traum und nenne eine wundervolle Bar mit Unterkünften an einem der schönsten Orte der Welt mein eigen. Es lohnt sich immer für seine Träume zu kämpfen!

Wenn du jetzt neugierig geworden bist und Ben und mich mal besuchen willst, hier entlang 🙂

Placeless NEst

Wer mehr über Koh Rong erfahren möchte, der erfährt hier alles zur Anreise nach Koh Rong, zum leuchtenden Plankton, über die Preise auf der Insel und findet hier meine Backpacking-Kambodscha Seite.

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2 thoughts on “Wie eröffnest du eine Bar im Paradies? So geht´s.”

  • Einerseits eine schöne Geschichte über einen verwirklichten Traum. Andererseits passiert aber auch etwas, das mir hier in Asien die größten Kopfschmerzen bereitet. Eine kleine natürliche Insel wird bewohnt, bebaut, verbaut. Die Backpacker sind fast immer die erste Vorhut. 50 Tonnen (!) Baumaterial werden auf eine Insel geschleppt. Hier und da “muss eine Pflanze weichen”, wie es im Text heißt. Die erste Bar und das erste Hostel am Strand sind jedoch immer der erste Meilenstein zur weiteren Verbauung. Stück für Stück wird die Natur zurückgedrängt. Bald kommt der erste Nachahmer, dann die erste Tauchschule, dann ein besserer Anleger. Der erste Jetski, das erste Hotel auf booking.com, der erste ATM. Nach einem Jahrzehnt sieht es aus wie jetzt Koh Lipe, in 3 oder 4 Jahrzehnten sieht es aus wie Ko Phi Phi.
    Warum kann man sein Paradies nicht einfach so belassen, wie man es vorfindet? Hat der Mensch nicht schon genug Inseln zubetoniert und die Natur zerstört? Oder ist Euch gar nicht klar, dass das hier zwangsläufig passiert und dass Ihr ein Meilenstein dazu seid? Ich selbst habe auf einer anderen Insel etwas ähniches gemacht und fühle mich nicht sehr wohl damit. Wie geht ihr mit solchen Gedanken um?

    • hey Lukas, danke für deine Gedanken zu dem Thema. Finde ich super wichtig und vor allem wirklich wunderschön, dass Menschen (in diesem Fall du) sich Gedanken zu diesem Thema machen! Leider muss ich dir definitiv recht geben. Es ist ein sehr, sehr schmaler Grat und auch etwas, das man sicherlich genauer und von zwei Seiten betrachten sollte. Die erste Tauchschule gab es leider schon vorher an diesem Strand, ebenso wie 2 Bungalowanlagen. Seit dem Bau des Beachclubs sind allerdings insgesamt 8 (!!!) weiere Businesses an diesem Strand dazugekommen. Alle diese Businesses bemühen sich jedoch sehr, ein Stück Wissen und Input an die Insel zurückzugeben. Ein Flughafen auf der Insel war bereits vor (seit 5 Jahren) geplant und nun haben die Chinesen die Insel für sich entdeckt und die erste Casinolizenz wurde für die Insel vergeben. Diese Entwicklung merken wir vorallem daran, dass zum Beispiel die Affen aus dem Dschungel immer häufiger vorbeischauen, um Essen zu stehlen. Warum? Weil der Dschungel und damit ihr natürlicher Lebensraum immer kleiner wird und damit auch ihre Möglichkeiten, sich selbst über Wasser zu halten. Das ist mehr als traurig. Ich denke, die Regierung hätte bereits vor der Erschließung der Insel klare Regeln festlegen sollen für Bereiche, die als Business genutzt werden dürfen und damit zum Beispiel auch, dass ein Business nicht existieren darf, wenn keine Kambodschaner dort arbeiten. Aber eben auch, welche Gebiete der Insel geschützt und damit nicht bebaut werden dürfen. Ich könnte ewig so weitermachen, denn ich selber bin sehr traurig über diese Entwicklung. Mit dem Nest wurde sichergestellt, dass mindestens 50 % der Mitarbeiter Einheimische sind, die Natur wurde bestmöglich geschützt. Natürlich kann nicht verleugnet werden, dass hier der Businessaspekt auch eine große Rolle spielt. Es ist eben sehr zweischneidig. Letztendlich denke ich, dass es kaum zu verhindern ist, dass solche Inseln mehr und mehr erschlossen werden, denn das ist es, wonach die Menschen streben. Und ich denke, dass dies für die Bewohner der Insel ein Fluch und ein Segen zugleich sein kann. Nur durch die Erschließung haben die Einwohner und vorallem die Kids der Insel nun die Möglichkeit kostenfrei Englisch zu lernen, sich weiterzuentwickeln und den Horizont zu erweitern. Ich glaube, dass es recht utopisch ist, dass wir Inseln wie diese von der Weiterentwicklung schützen können und damit auch den Einheimischen Möglichkeiten nehmen, die mit der Erschließung einhergehen (medizinische Versorgung, Bildung und Co). Zeitgleich denke ich, dass das in Maßen geschehen sollte und nicht in Massen. Da die Regierung Kambodschas jedoch ganz klar die Segel in Richtung Geld verdienen gesetzt hat und die Chinesen grad die Business Macht übernehmen überwiegt an dieser Stelle dann doch vermutlich die Traurigkeit und der Gedanke, dass Businesses wie das Nest letztendlich viel Gutes leisten, die Casinos der Chinesen jedoch werden zur wirtschaftlichen Entwicklung keinesfalls beitragen (das Geld fließt direkt zurück nach China, einzig der Kaufpreis des Landes fließt in die Kambodschanische Tasche) und auch nicht zur Weiterentwicklung der Einheimischen. Also behaupte ich am Ende der Geschichte, dass die Entwicklung, mit dem Eröffnen kleiner, individueller Businesses gemeinschaftlich mit den Einheimischen schon etwas Gutes ist. Solange die Natur respektiert und nicht “ausgenutzt” wird. Das war jetzt einmal ein kurzer Auszug aus meinen Gedanken, ich hoffe das war nachvollziehbar? 🙂

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