Eine Bar im Paradies in Kambodscha – Individualtourismus vs. Corona

Schreibe einen Kommentar
Umgebung Koh Rong

Müssen wir jetzt schließen? Wovon bezahlen wir jetzt unsere Stromrechnung? Müssen wir alle Mitarbeiter nach Hause schicken? Hilft uns unsere Krankenkasse auch weiterhin oder gilt die nicht für solche Krankheiten?

Eine Insel in Kambodscha. Ein kleines Stück Erde, das nur 17 mal 9 Kilometer groß ist. Abgeschieden vom Rest der Welt. So fühlt es sich an und der Alltag zeigt, dass da auch ein Stückchen Wahrheit drin steckt. Einen Markt, Straßen und Autos gibt es hier nicht. Ein Krankenhaus, eine Poststelle oder einen Geldautomaten – all das ist nur über die Fähre oder ein Speedboot zum Festland zu erreichen. Kinos, Theater oder Bowlingbahnen haben viele (wenn nicht sogar alle) der Einheimischen noch nie gesehen. Der Strom auf der Insel wird von Generatoren geliefert. Das Wasser pumpen wir direkt aus der Erde. Nach europäischem Standart eignet es sich nicht einmal zum Zähne putzen.

Das Unterhaltungsprogramm auf dieser Insel beschränkt sich auf Bars, Restaurants, sportliche Aktivitäten im Freien wie Kajak fahren, Beach Volleyball spielen oder Klettern. Die meisten Besucher bleiben ein paar Tage hier und genießen den Strand, die Natur oder die Parties. Kulturelles Sightseeing gibt es hier nicht. Untypisch für asiatische Urlaubsziele: Es gibt keinen großen Tempel.

Auf der Insel gibt es einige Dörfer, die zu Fuß, mit dem Boot oder von mutigen Einheimischen mit dem Roller durch den Dschungel erreicht werden können. Die Touristen sind meistens schon mit dem Aufenthalt entlang der Küste zufrieden und sehen damit nur einen Bruchteil der Insel. Für Auswanderer, Expats oder Langzeitreisende, die diese Insel (zeitweise) ihr zu Hause nennen, spielt sicher auch die Vielfalt der Natur eine große Rolle: Kingfisher, Affen und leuchtendes Plankton im Meer – hier gibt es viel zusehen, ganz natürlich und ohne menschliches Zutun.

Kurz gesagt diese Insel ist ein minimalistischer Traum für alle, die ein solches Leben einem Leben in einer hochentwickelten Umgebung vorziehen. Stromausfälle, kaltes Wasser beim Duschen und Mücken am Abend gehören genauso dazu wie das tägliche Meeresrauschen, die einzigartigen Dschungelgeräusche und die Isolation von vielen „alltäglichen“ Dingen wie räumlich nahen Nachbarn.

Es gibt keine Tageszeitungen, kaum jemand hat einen Fernseher und alle Informationen aus der „Zivilisation“ werden gezielt über das Internet konsumiert. Es gibt keinen täglichen Informationschwall, keine Werbeplakate oder Radiowerbung. Die häufigsten Gesprächsthemen sind hier auf der Insel das Wetter, geplante Events und Parties, lustige Ereignisse aus der Community, Restauranteröffnungen oder Tipps und Erfahrungen vergangener oder geplante Abenteuer. Die Weltpolitik und Geschichten aus den jeweiligen Ländern der internationalen Inselcommunity werden auch immer mal wieder diskutiert.

Breaking News: Der Corona Virus

Wenn dann eine Nachricht aus einem fernen und doch so nahen Land wie China auf dieser kambodschanischen Insel ankommt, dann fühlt sich das erst einmal sehr weit weg an. Weihnachten wurde auf der Insel noch ganz normal, wie jedes Jahr, gefeiert. Festessen, Parties, gutes Geschäft für alle Restaurants und Hostels. Die Hochsaison war ein voller Erfolg und die Touristen, die zum größten Teil Backpacker sind, hatten eine tolle Zeit. Im Januar schien auch noch alles normal. Anfang Februar wurde der Corona Virus dann immer mehr zum Gesprächsthema. Inselbewohner erzählten, was ihre Familien und Freunde von zuhause berichteten. Der Virus wurde zu einem gängigen Thema, das alle mehr oder weniger über das Internet verfolgten. Im März kamen dann die ersten Vorkehrungen auf dem Festland zum Vorschein. Einmal monatlich fahren die meisten Insulaner auf das Festland, um Erledigungen zu machen, zur Bank zu gehen oder Dinge einzukaufen. In den ersten Shops musste jeder Besucher die Hände desinfizieren. Einige Menschen trugen einen Mundschutz, aber das war in einer Stadt voller Baustellen wie Sihanoukville nichts besonderes, sondern seit vielen Monaten ohnehin Alltag. Niemand schien sonderlich besorgt.

Auch die Besucherzahlen auf der Insel blieben normal und stabil. Bis es Mitte März einen Besuch der Polizei in allen Bars und Hotels gab. Alle erwarteten Schließungen oder Sicherheitsvorkehrungen, betreffend des Corona Virus. Ergebnis: Es durfte keine laute Musik mehr gespielt werden. Warum? Weil dies Menschen dazu motiviert in Gruppen zusammen zu sein. Wir erkannten den Zusammenhang, hielten dies jedoch nicht für eine überdurchschnittlich gelungene Vorkehrung.

Die Insel Community deckte sich mit Desinfektionsspray, desinfizierendem Alkohol, Atemmasken und weiterem ein. Jedes Geschäft und jede Familie auf der Insel nach eigenem Ermessen. Einige Tage später rief die Polizei auch offiziell dazu auf. Die Grenzen nach Kambodscha wurden für einige Nationalitäten geschlossen, die Besucherzahlen gingen zurück, Business mussten schließen, Menschen verloren ihre Jobs. Wie an vielen anderen Orten auf der Welt.

Und auf einmal fühlte es sich so an, als wären wir doch gar nicht so weit weg von all den Geschehnissen. Auf einmal fühlte es sich für uns furchteinflössend an – wie für viele andere Menschen auch.

Sharing is caring!
KategorieDas Magazin Koh Rong Island
Placeless

von

Wir sind Bini & Laura - wir lieben die Freiheit, unser Leben und Veränderungen. Wir arbeiten an unserem Business, Mindset und Wohnort - jeden Monat, jede Woche, jeden Tag. Mensch zu sein mit allem Pipapo, Schwächen und Stärken finden wir ziemlich cool. Wir wollen dazu inspirieren lebenslang zu lernen, frei zu sein und sich selber weiterzuentwickeln!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.