Zwischen Einsamkeit und Glück. Alleine in der großen, weiten Welt

Einsamkeit & Glück auf Weltreise

Es ist Wahnsinn, ich hab es echt gemacht, hab zu Hause viele Zelte abgebrochen und bin für unbestimmte Zeit auf Weltreise. Kann es irgendwie nach vier Wochen immer noch nicht glauben. Ich habe kein richtiges Ziel, ich laufe vor nichts weg, ich war darum bemüht zu Hause mit allem und allen in Frieden auseinanderzugehen und das hat echt gut geklappt. Und jetzt weiß ich, dass das auch enorm wichtig für mich war. Ich bin ein sehr sozialer und emotionaler Mensch. Ich bin quasi harmoniesüchtig und finde selten Ruhe, wenn etwas nicht harmonisch verläuft. Ich mag es, alles zu klären und klare Verhältnisse zu haben, auch wenn ich das nicht immer so leicht hinbekomme und manchmal eher nach dem Stichwort “Chaos” lebe.

Meine größte AngsT

Am meisten Angst hatte ich vor Anbruch meiner Reise vor der Einsamkeit. Das Resultat dieser Angst war, dass ich in meinem letzten Monat in Deutschland ca. keine Minute alleine war. Ich war immer darum bemüht, mich mit Menschen zu umgeben und war so unglaublich froh, keine eigene Wohnung mehr zu haben (habe sie untervermietet) und stattdessen mein Chaos bei meiner Ma ausleben zu können. Das war toll, denn das Alleinesein konnte ich schlecht ertragen. Ganz ungewöhnlich für mich, denn in meinem “normalen” Leben, habe ich es genossen und ja, manchmal sogar richtig zelebriert, wenn ich Zeit für mich hatte. Ich habe mir abends etwas zu essen bestellt, ein Glas Wein getrunken oder einfach nur die Zeit allein genossen. Aber in meinem letzten Monat war alles anders. Dazu kam, dass ich das Gefühl hatte, allem gerecht werden zu müssen. Ich wollte jedem einzelnen wundervollen Menschen in meinem Leben vor meiner Abreise noch einmal Zeit widmen. Dass das eher suboptimal klappen könnte, war eigentlich vorprogrammiert. Die einen haben mehr Zeit, die anderen weniger. Schließlich haben alle außer mir Wochentags gearbeitet.

Viele Tränen

Als dann das Wochenende des Abflugs (ich bin Montags geflogen) da war, war ich so unglaublich glücklich, dass sich auf der eigens für mich organisierten Überraschungsparty, fast alle Lieblingsmenschen versammelt haben. Bei einigen war ich mir sicher, ich würde sie danach noch einmal persönlich verabschieden, aber natürlich kam alles anders. Rückblickend hätte ich an meinem letzten Wochenende vielleicht weniger feiern (ich habe es in der Nacht von Samstag auf Sonntag noch einmal richtig übertrieben haha) und viel mehr Menschen in den Arm nehmen sollen. Aber es ist wie es ist und es war einfach eine sehr verrückte, emotionale Zeit. Viel gelacht, viel geweint. Mit Schildkrötenaugen (vom Weinen) losgeflogen.

Momente der Einsamkeit

In den letzten vier Wochen gab es nicht einen Moment der Einsamkeit. Und ich kann bereits jetzt sagen, dass ich eines für mich gelernt habe. Einsamkeit ist nichts, was einfach da ist. Einsamkeit kommt von innen und ich habe das Gefühl es selber mit meinen Gedanken beeinflussen zu können. Sitze ich abends hier in Thailand auf meiner Veranda und habe mir vorgenommen nicht mehr “auf die Rolle zu gehen” (würde mein Papa jetzt sagen), dann bin ich nicht einsam. Stattdessen zünde ich mir ein paar Kerzen an, mache die Musik an und bin einfach Dankbar. Dankbar für das was ich habe und für die Stärke, die mir all die tollen Menschen zu Hause geben.

Dankbarkeit

Ich bin sehr froh, dass ich hier einfach machen kann, was ich möchte, ohne mich nach jemandem zu richten. Und wer hätte das gedacht, ich gehe meistens gegen neun Uhr ins Bett und werde zwischen sechs und sieben Uhr morgens wach. Starte dann ausgeschlafen in den Tag. Zu Hause? Ein Ding der Unmöglichkeit. Ich war lange wach, war ständig und lange unterwegs und habe lange geschlafen, wann immer ich konnte. Mir war nie klar, dass es mir so auch gut gehen könnte. Klar, keine Ahnung ob das so bleibt, aber im Moment tut es mir einfach so verdammt gut. Niemand sagt: Ey du Langweilerin, warum kommst du nicht mit zur Party? Kein sozialer Druck, keine Verpflichtungen. Ich arbeite morgens (an mir selbst und für Kunden) und freue mich über mein effektives und fleißiges Dasein 🙂

Wundervolle Menschen

Hier in Koh Phangan habe ich eine sehr liebe Reisende getroffen, mit der ich einige Male gegessen oder ein Bier getrunken habe. Sie nimmt so ziemlich jede Party mit, so wie ich es zu Hause gemacht habe. Dass ich nicht mitkomme, findet sie ganz normal, geht mit anderen Leuten los. Alles entspannt. Tiefenentspannung. Unglaublich. Klar, das liegt auch daran, dass die emotionale Bindung zu den Menschen auf Reisen nicht annähernd vergleichbar ist, zu der zu Hause. Meine Freunde zu Hause sind gefühlt ein Teil meiner Familie. Natürlich wollen sie, dass ich mitkomme und sie begleite und das ist toll. Aber hier genieße ich gerade auch diesen Weg. Diese Art zu Leben. In den Tag hinein, mit Struktur und irgendwie auch ohne. Ich fühle mich gerade gut. Und ich bin glücklich. Ich merke das, obwohl man ja sagt, glückliche Momente sieht man immer nur rückblickend. Finde ich nicht. Rein gar nicht. Glück ist Glück und wenn es da ist, ist es da.

Ja, ich bin ein Klugscheißer 😀

Ich kann dir also eines verraten. Einsamkeit ist subjektiv. Haha, ich kann auch echt eine Klugscheißerin sein. Aber tatsächlich habe ich gestern Abend noch einen Podcast zur emotionalen Stärke gehört. Und genau das brauchst du und genau daran kannst du super arbeiten, wenn du alleine unterwegs bist. Schaffe dir dein eigenes Glück, in dem du an dir arbeitest. Vielleicht sogar gar nicht aktiv. Jedes Lächeln, jeder Moment des inneren Friedens, alles führt dich dorthin. Ob ich mental stark bin? Manchmal. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass ich sehr optimistisch bin, generell, ich mag Menschen, ich mag tolle Gespräche, aber ich mag auch mich und Zeit mit mir selber. Ich denke, wenn man einen gesunden Mix findet, dann ist Einsamkeit echt weit weg. Einsamkeit hört sich übrigens auch so negativ an. Wieso hat dieses Wort eine solch negative Schwingung (Da ist der Hippie wieder)? Einsamkeit kann auch super sein, hab ich euch ja schon beschrieben, wie das bei mir so läuft. Also, sei nicht einsam, genieße die Zeit mit dir selbst, sei dankbar für das was du hast und schon sind Einsamkeit und Glück sehr nah beieinander, nahezu unzertrennlich.

Alles Liebe & Gutes Karma aus Koh Phangan (ganz ohne Fullmoonpartys für mich bisher),

Hippie- Laura  <3

P.S.: Klare Definitionen und tolle Inspiration findest du zu dem Thema übrigens auch bei Rapunzel will raus!

  1. Liebe Laura,
    ich bin in den letzten Monaten auch viel allein gereist und kann deine Erfahrung zu 100% teilen. Der Schritt loszumachen scheint erst einmal riesen groß aber dann ist es viel besser, als man dachte. „Also, sei nicht einsam, genieße die Zeit mit dir selbst, sei dankbar für das was du hast und schon sind Einsamkeit und Glück sehr nah beieinander, nahezu unzertrennlich.“ Unterschreibe ich genau so!

    Deinen Newsletter abonniere ich auch direkt mal, baue meinen nämlich auch gerade kräftig aus, da bin ich natürlich doppelt gespannt, was ich von dir noch so zu lesen bekomme.

    Und für alle Mädels, die noch immer zweifeln, ob sie allein aufbrechen sollen: MACHEN!

    Immer wieder schön, von Gleichgesinnten zu lesen.
    Liebe Grüße von einer anderen Weltenbummlerin
    Nicole von CicoBerlin

  2. Liebe Nicole,

    ganz herzlichen Dank für deine lieben Worte. Schön, dass ich mit meinen Worten das beschreiben konnte, was auch du fühlst. Danke fürs abonnieren meines Newsletters, bisher habe ich noch nicht allzu viele versendet, der blog ist tatsächlich „nur“ ein Hobby 🙂 Aber ich werde mich nun bemühen während der Reise monatlich was rauszuschicken! Alles Liebe für deine weiteren Reisen & Gutes Karma, Laura

  3. Hallo Laura,

    wirklich toll beschriebener Artikel! Den würde ich am liebsten einfach kopieren und an meine Lieben Menschen daheim versenden. Da ich meinen letzten Monat vor der Weltreise genau so empfunden habe, wie du ihn beschrieben hast.

    Viel Spaß weiter auf Koh Phangan und liebe Grüße aus Kanada
    Marina (sunsloop.com)

  4. <3 Marina, ich danke dir für deine wundervollen Worte. Ich freue mich wirklich, dass dir der Artikel gefällt und ich mit meinen Worten auch deinen Nagel auf den Kopf getroffen habe :-D Alles Liebe & Gutes Karma aus Phangan, Laura

  5. Kenne ich zu gut diese Gefühle, aber mach dir keine Sorgen – sie sind einfach nur Teil dieser faszinierenden Erfahrung, die dein Leben für immer verändern wird!