Muss man immer genau wissen wo man im Leben hin will?

Ich wusste schon immer, ich möchte Karriere machen. Tolle Wohnung, super Auto, keine Geldsorgen. „Schon immer“. Das war so im Alter zwischen 6 und 20. Dann änderte sich meine Einstellung im Laufe der Zeit. Ich fing an zu studieren, ich machte meine erste Fernreise nach Bali und stellte ganz langsam fest, dass ich die Welt super spannend finde. Ich weiß noch, als ich irgendwas zwischen 14 und 16 war, mich jemand fragte wo eigentlich Java liegt und ich absolut keine Ahnung hatte.

Mein Interesse an der Welt wuchs erst so richtig mit Beginn meines Studiums, vorher waren es Träumereien, wie sie jeder hat. Aber auch nach dem Studium, war ich fest davon überzeugt einen mega tollen super Job zu finden und Karriere machen zu müssen. Es kam aus meinem Innersten. Reisen war immer nur Plan B.

Okay, jetzt bin ich seit etwa 10 Monaten unterwegs. Und ich was ich weiß ist: Ich will unterwegs sein. Ich möchte nicht in Deutschland wohnen (zumindestens genau jetzt nicht). Ich möchte das machen was mir Spaß macht (ich weiß, das klingt stark nach Peter Pan). Ich will nicht Jobs machen müssen, die ich vielleicht gar nicht mag, nur um über die Runden kommen zu können. Ich möchte mich selber verwirklich und dabei auch noch rausfinden, was dieses „verwirklichen“ eigentlich genau ist.

Ich habe das Gefühl ich bin dem „verwirklichen“ schon ziemlich auf der Spur. Ich mag es zu schreiben, ich mag es, Projekte für Kunden (ganz egal wo ich gerade bin) zu machen und noch mehr mag ich es meine eigenen Projekte, wie die Nomadweek, umzusetzen.

Und deine Rentenversicherung? Und was ist, wenn du eine Familie gründen möchtest? Bist du denn abgesichert? Was ist denn dein Ziel? Was hast du so geplant für die nächsten Jahre?

Das sind die Fragen, die meine Freunde mir stellen, die meiner Familie vermutlich im Kopf rumgeistern und natürlich auch Fragen, mit denen ich mich selbst beschäftige. Ich meine, ich bin tatsächlich schon 29 Jahre alt.

Mit 29 Jahren hat meine Mama mich geboren. Mit 29 sind einige meiner Freunde schon verheiratet und freuen sich auf ihren ersten oder zweiten Firmenwagen. Mit 29 haben viele Menschen schon 10 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt, angefangen ein Haus zu bauen oder ihre dritte Beförderung hinter sich.

Ich hingegen bin mit 29 Jahren in Kambodscha, habe einen Blog, bin Mitgründerin der Nomadweek und schreibe Texte/ baue Webseiten für deutsche Kunden. Ich probiere mich aus, arbeite hinter der Bar in einem Beachclub, habe nicht den ultimativen 5 Jahresplan oder setze mich unter Druck, weil ich dies oder jenes erreichen muss, bevor ich 30 werde.

Aber. Ich würde diese Zeilen wohl nicht schreiben, wenn ich mir nicht doch irgendwie Gedanken darüber machen würde. Ich frage mich also, sollte ich einen Plan haben? Ist das Leben nur dann effizient und „erfolgreich“, wenn man einen echten, richtigen Plan hat?

Ich habe einen Plan. Wenn ich so richtig darüber nachdenke, habe ich sogar viele Pläne. Der „Hauptplan“? Das ist glücklich sein. Glücklich. Zufrieden. Also stelle ich mir die Frage, was brauche ich zum glücklich sein?

Ich bin glücklich, wenn ich einen Strand in der Nähe habe, Meer und ein bisschen Sonne. Wenn ich das Gefühl habe, ich muss nicht hier sein, ich könnte auch jederzeit woanders sein, weil nichts und niemand mich zwingt irgendwo zu verweilen.

Ich habe festgestellt, ich brauche trotzdem das Gefühl, zu Hause nicht vergessen zu werden. Ich brauche die Gewissheit, dass meine Freunde und Familie zu Hause noch genauso mit liebevollen Umarmungen auf mich warten, auch wenn ich ständig und dauerhaft draußen in der Welt rumstreuner. Denn nur wenn die Wurzeln stark sind, macht das Fliegen mit dem Wind auch Spaß, weil ich weiß, dass alles gut ist.

Ok, was gehört noch zu einem glücklichen Leben? Geld? Das ist die Frage der Fragen und ich philosophiere ständig darüber, welche Rolle Geld nun in meinem Leben spielt und spielen soll. Ich brauche Geld, um meinen Kram zum Leben zu kaufen, aber ich bin nicht mehr der super Sicherheitstyp. Irgendwie fühle ich mich okay damit, ein paar tausend Euro auf dem Konto zu haben, für den Fall der Fälle. Was ich nicht brauche, ist ein hohes regelmäßiges Einkommen. Lieber arbeite ich weniger oder mache die Jobs, die mir Spaß machen, statt mit Geld um mich werfen zu können. Ich lebe bewusst, nicht verschwenderisch, aber trotzdem genieße ich das Leben.

Aber ich frage mich auch, kann das ewig so weitergehen? Wo will ich in 5 Jahren sein? Und ich habe die Antwort schon gefunden. Ich will die Freiheit genießen, für die ich in Deutschland viel aufgegeben habe. Ich will den Prozess genießen, den Weg als Ziel sehen und mich dabei verwirklichen. Ich habe einen Plan. Und der Plan heißt: Glücklich sein.

 

  1. Hi.
    Finde deine Einstellung super und dass du deine Pläne doch nochmal geändert hast und deinem Herzen folgst. Hut ab!
    Wir werden im Juni Richtung Nordspanien fahren und dann schauen wo es uns hinverschlägt.

  2. Danke Dir. Ja, manchmal sollte man einfach das machen, was man fühlt. Und genau das fühlt sich dann am besten an 😀 Ich wünsche euch eine traumhafte Zeit in Nordspanien und eine tolle Reise, wohin auch immer der Weg Euch führt! Alles Liebe, Laura