Liebe auf Reisen

Liebe auf Reisen

Kennen lernen und los lassen – Persönlichkeitsstärkung durch Reisen

Warum machen einige Menschen das eigentlich? Warum nehmen sich einige Leute – scheinbar aus dem Nichts heraus – eine Auszeit? Und das wahrscheinlich noch auf unbestimmte Zeit.

Ich weiß nicht, warum andere Leute das machen. Aber ich weiß sehr wohl, warum ich das damals gemacht habe und auch jetzt wieder tun werde.

Unzufriedenheit

Es war zu einer Zeit, wo ich relativ unzufrieden mit dem war, was ich hatte. Ich hatte eigentlich alles: Einen tollen Freundeskreis. Einen spitzen Job. Eine super Wohnung dort, wo andere Urlaub machen. Aber dennoch fühlte ich mich an einem Punkt, wo es so nicht weiter gehen konnte.

Also entschloss ich mich kurzer Hand einfach alles zu ändern. Ich kündigte meinen Job und meine Wohnung. Und drei Monate später begann auch schon mein großes Abenteuer.
Ich war zu der Zeit 28 Jahre alt. Und mal ehrlich: Wer, um Himmelswillen, gibt in dem Alter alles auf, um woanders nochmal komplett neu zu starten? ICH!!!

Und du kannst dir nicht vorstellen, was ich mir alles anhören musste. Es war alles dabei. Von „Du musst doch endlich mal sesshaft werden und eine Familie gründen.“ bis hin zu „Das ist schon ziemlich mutig. Ich würde mich das nicht trauen.“ gab es jede erdenkliche Reaktion auf mein Handeln. Aber ich war letztendlich die Einzige, die damit leben musste. Und es war die beste Entscheidung meines Lebens.

Am Anfang war ich ja auch nicht mal alleine. Ein damaliger Freund von mir hatte die gleiche Idee und wir beschlossen, dass wir gemeinsam auf große Entdeckungstour gehen wollten. Es war aufregend und beängstigend zugleich.

Aber wie es immer so ist:

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt

Die ersten paar Tage auf Bali klappten ganz gut zusammen. Wir lernten tolle Leute kennen, hatten eine Menge Spaß und gewannen viele neue Eindrücke. Dann landeten wir in Cairns, Australien. Und das Schicksal nahm seinen Lauf.

Mein Kumpel wollte sich unbedingt gleich zu Anfang einen Van kaufen und weiter reisen. Ich sah es jedoch nicht ein, meine gesamten Ersparnisse in ein Auto zu stecken, um dann zu sehen, wo ich bleibe. Also trennten sich unsere Wege und ich war alleine.

Als Alleinreisende ist es ja so: Man ist zwar alleine, aber dennoch nicht alleine. Es sind immer Leute um einen herum. Und so lernte ich ein deutsches Mädel kennen, mit der ich meinen Weg weiter gehen wollte. Wir reisten zusammen und wir arbeiteten sogar zusammen im Outback. Ein halbes Jahr lang verbrachten wir fast jede Minute zusammen.

Liebe auf Reisen

Und dann kam der Abschied.

Für mich war es schrecklich. Das Gefühl, jemanden zu verlieren, mit dem man auf einer Wellenlänge liegt. Die Angst, dass ich wieder alleine bin. Aber auch die Spannung auf das nächste Abenteuer. In diesem Moment überwältigten mich so viele Emotionen, dass es kaum auszuhalten war. Selbst jetzt beim Schreiben, knapp drei Jahre später, holen mich die Gefühle wieder ein und ich muss mir ernsthaft ein paar Tränen zurück halten.

Und auch nach diesem Abschied war ich nicht alleine. Ich lernte die nächsten Leute in meinem Hostel kennen. Unter anderem ein Mädchen aus Kanada. Wir teilten uns ein Zimmer und verbrachten viel Zeit miteinander. Bis zu dem Punkt, wo sie einen Job fand. Es war nicht einmal schlimm, denn es gab ja noch andere Hostelbewohner.

Unverhofft kommt oft

Zwei Tage vor Weihnachten checkte ein neuer Gast in meinem Hostel ein. Das ist ja an sich nichts besonderes, denn jeden Tag checken Leute ein und aus. Nur dieser Hostelbewohner ist mittlerweile  seit über zwei Jahren fest an meiner Seite.

So kann es natürlich auch gehen. Da bist du am anderen Ende der Welt und lernst jemanden kennen, mit dem du dein weiteres Leben planst. Natürlich habe ich es zu dem Zeitpunkt nicht drauf angelegt und es war bei mir keine Liebe auf den ersten Blick.

Liebe auf Reisen

Wir hatten trotzdem eine wundervolle Zeit zusammen. Wir verbrachten fast jede freie Minute miteinander. Wir unternahmen viele Ausflüge und ich fühlte mich einfach pudelwohl in seiner Nähe.

Nach mehreren Unsicherheiten wurden wir dennoch ein Paar. Ich kann gar nicht genau sagen, warum ich damals so unsicher war. Wahrscheinlich lag es daran, dass ich vorher schon mehrfach enttäuscht wurde. Zudem war ich am Arsch der Welt. Alleine. Keine Freundin, mit der ich darüber hätte reden können. Und woher weiß ich, dass ich nicht nur eine Reisebekanntschaft für ihn sein werde? Viele Gedanken und Gefühle, die wohl fast jede Frau hat, wenn ihr so etwas auf Reisen passiert.

Ich ließ mich also darauf ein. Und es war schön.

Was passiert, wenn unsere Reise irgendwann mal zu Ende geht?

Wird diese Beziehung auch in Deutschland bestehen können? Wo werden wir wohnen und arbeiten? Immerhin kam er aus Bayern und ich aus Schleswig-Holstein. Es sind viele Fragen, denen man sich in so einem Fall früher oder später stellen muss.

Ich bin letztendlich mit nach Bayern gezogen. Und es funktioniert. Wir haben beide einen tollen Job und bis vor kurzem auch noch eine tolle Wohnung. Wir sind gerade ausgezogen, weil wir in zwei Monaten wieder auf große Tour gehen – Weltreise 2.0.

Und ich bin mir sicher, dass wir auch das bewältigen können, denn in Australien sind wir bereits durch so manche Höhen und Tiefen gegangen.

Auch wenn das Reisen nicht nur schöne Moment mit sich bringt, möchte ich die negativen Erlebnisse nicht missen. Das sind die Momente, die mich zu der starken und selbstbewussten Person gemacht haben, die ich heute bin.


Gastautor auf Placeless.de und Autor dieses Textes ist die wundervolle Melanie geschrieben, sie ist 31 Jahre alt und liebt das Reisen. Und ihren Freund. Mit ihm gemeinsam schreibt sie auf dem Blog tausendfremdeorte und natürlich halten die beiden uns auch auf Facebook auf dem Laufenden. 



2 thoughts on “Liebe auf Reisen”

    • Wie schön gesagt! Es ist so wundervoll, wenn Eltern ihre Kinder dabei unterstützen, die Welt zu erkunden und ihren Horizont zu erweitern! Und, dass die Kinder dann so selbstbewusst und selbstständig durch die Welt reisen können, haben wir ja am Ende auch der Erziehung unserer Eltern zu verdanken! Toll, dass du deine Tochter unterstützt! Ganz wie meine Eltern <3

      P.S.: Bitte entschuldige die verspätete Antwort, bei mir war gesundheitlich einiges los 🙂

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