Bist du gelangweilt vom Leben oder nur verwirrt?

Bist du gelangweilt vom Leben oder nur verwirrt?

Wer sagt, dass man einen Partner braucht?

Wenn du ein Jahr lang alleine durch die Weltgeschichte irrst, ganz egal ob mit oder ohne festen Wohnsitz. Ganz egal ob als Angestellter oder Freelancer. Du denkst über so viele Dinge nach, die vorher selbstverständlich waren oder auch einfach keine Rolle spielten. Wenn du lange ohne einen Partner auskommst, dann bekommst du irgendwann das Gefühl: Wofür brauche ich überhaupt einen. Ich meine, das Leben läuft doch auch so super und wer hat eigentlich beschlossen, dass das Leben in einer Partnerschaft lebenswerter ist?

Selbstbestimmt leben mit reizlosen Gesprächen?

Ich reise nun seit mehr als einem Jahr. Ich habe viele Menschen kennengelernt, Frauen, Männer, Kinder. Ich habe viele Gespräche geführt, tausende Smalltalks und auch einige intensive Gespräche. Auch, wenn die intensiven Gespräche definitiv seltener vorkamen. Auf Reisen ist es doch so, man weiß nie, wem man begegnet, man weiß nie wo man landet und das ist das wundervolle. Das ist doch das, was wir Reisenden so unglaublich genießen. Aber manchmal ist es wohl auch das, was uns Rumtreiber müde macht.

Am Ende erzählst du immer die gleichen Sachen. Wo du herkommst, wo du als nächstes hingehst. Die Kurzgeschichten deiner Reise, die du erzählst, haben immer die gleiche Pointe und irgendwann bist du eingespielt, in deinen Standardgeschichten. Die Fragen verändern sich nicht viel. Was hat dich dazu getrieben, einfach loszureisen, wie lange bist du unterwegs, hast du kein Heimweh? Hast du keinen Job? Ich habe viele Reisende getroffen, die irgendwann an den Punkt kamen, Partyhostels zu meiden, Bungalows zu bevorzugen, eher ruhige Fleckchen zu erkunden und auf das super schnelle, „ich will alles sehen und zähle die Länder“- Reisen einfach verzichten möchten, weil es sich nicht echt anfühlt.

Bist du echt?!

Wir wünschen uns etwas echtes. Egal ob Reisender oder nicht. Eine Verbindung, die tiefer geht, als die kurzen, oberflächlichen Gespräche. Und gerade, wenn man frisch getrennt, lange ohne einen Partner oder einfach eher der „Zweisamme“ Typ ist, dann kann einem das noch einmal mehr bewusst werden. Ich bin übrigens nicht frisch getrennt oder sowas, aber ich denke eben gern über alles nach 😀

Ist das der Grund, warum viele Reisende einfach überall nach der großen Liebe suchen? Natürlich nicht offiziell. Offiziell wollen alle nur Spaß. Wenn es dann jedoch um den Abschied geht, dann wird der Kontakt gehalten. Doch wozu? Wozu an etwas festhalten, das am anderen Ende der Welt rumturnt und letztendlich mehr Kummer als Freude bereitet? Was geht eigentlich in den Köpfen dieser Single- Reisenden vor?

Biologisch verwirrt?

Biologisch, ja klar, das ist so nicht vorgesehen, dass da jemand alleine bleibt. Babys müssen schließlich her. Und alle Einladungen gelten schließlich immer „Plus 1“, so ist das doch in der Erwachsenenwelt, oder? Hab ich zumindest so im Fernsehen gelernt. Und das ist schließlich das, wonach sich die halbe Welt richtet, oder?

Manchmal frage ich mich, ob es tatsächlich Menschen gibt, die wirklich, ich meine so richtig, wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen wollen, welche Normen und Werte sie verfolgen. Und, wer sie eigentlich sind. Ich habe so viele Menschen beobachtet, die mir von ihren Idealen erzählt haben, von ihren Zielen. Aber letztendlich völlig anders handeln. Ich meine, woher soll man denn da überhaupt noch wissen, wer da eigentlich vor einem steht? Völlige Transparenz, bei völliger Verwirrtheit? Woher weiß man denn dann, wen man wirklich mag, wem man vertrauen möchte?

Legen Menschen wirklich unterschiedlich viel Wert auf eine vertraute, innige Beziehung oder überspielen die Menschen, die das alles ja gar nicht brauchen, einfach nur ihren Wunsch danach, weil sie ihre Prioritäten anders gesetzt haben?

Die Wissenschaft hat festgestellt…

Aus wirtschaftssoziologischer Sicht kann ich bestätigen (ja, studieren ist auch für Blogger sinnvoll :-D), dass das Arbeiten im Team in der überwiegenden Anzahl der Fälle effektiver ist. Auch hier gibt es natürlich Ausnahmen, die wir besonders in den obersten Riegen großer Konzerne sehen können. Teams gibt es da auch, aber viele dieser Teams basieren nicht auf Vertrauen, sondern auf Nutzen. Zurück zu unserer kleinen Welt der Reisenden. Auch hier sehe ich immer wieder „nützliche“ Teams. Das Doppelzimmer teilen, ist ja gleich viel günstiger. Gemeinsam losziehen und Menschen kennenlernen? Ist ja zu zweit viel einfacher die eigene Schüchternheit zu überwinden.

Aber was ist mit der eigenen Persönlichkeit? Hat überhaupt irgendjemand auf Reisen den Arsch in der Hose, sich mal hinzusetzen, mit sich selber zu sein und sich über die eigene Gesellschaft zu freuen. Ist das einfach nicht notwendig und ich bin da zu kritisch?

Hast du Freunde oder Friends?

Ich sehe das an mir selbst, zugegeben. Ich liebe Vertrautes, ich mag Geborgenheit. Ich brauche nicht so sehr Sicherheiten, aber ich brauche Liebe. 😀 In etwa zwei Wochen fliege ich nach Deutschland und um ehrlich zu sein, ich kann es kaum abwarten. Ich zähle die Tage, bis ich meine Freunde und meine Familie wieder in die Arme schließen kann. Es ist ein bisschen wie auf den Urlaub freuen.

Und zugleich frage ich mich, wieso kann ich den Augenblick gerade einfach weniger genießen, als ich es zuvor konnte? Habe ich mich verändert? Haben meine Prioritäten sich verändert? Ist es einfach wieder an der Zeit, den Liebes-, Vertrautheits- und Geborgenheitsakku wieder aufzuladen? Ich denke genau das ist der Punkt. Ich vermisse nicht das deutsche Leben, das Land. Ich vermisse Menschen. Ohne Ausnahme, kenne ich alle meine Freunde mindestens 5 Jahre, manche sogar 10, 15 oder 29 Jahre. Es ist einfach so anders.

Hier in Kambodscha ist das anders. Auf Reisen ist das anders. Vielleicht liegt es auch an der englischen Übersetzung des Wortes Freund. „Friend“. Im Deutschen unterscheiden wir zwischen Bekannten, Kollegen, Freunden, Vertrauten, Verbündeten und im Englischen bist du einfach ein friend. Egal ob ich dich seit einer Woche oder seit 10 Jahren kenne. Hier warte ich mal auf einen Kommentar meiner liebsten Dozenten- Freundin, Angie 😀 <3

Ich teile die Ansicht, dass man zwischenmenschliche Beziehungen auch sehr schnell aufbauen kann, bei manchen menschlichen Kombinationen (haha, top Wortwahl, Laura), passt es einfach. Man ist einfach irgendwie verbunden. Aber all die Erfahrungen, all die Erlebnisse, die man über die Jahre miteinander gemacht hat, all die Geschichten, die man einander erzählt hat, das ist einfach anders. Das ist ein Prozess, das baut sich auf. Das gibt´s nicht von heute auf morgen. Und das bleibt dann oft auch für immer. Ich schaue in das Gesicht meiner Freunde (hiermit ist jetzt die Deutsche Definition gemeint) und ich weiß was sie fühlen, ich weiß wie es ihnen geht. Genau das gleiche umgekehrt. Manchmal habe ich einfach Tränen in den Augen, weil ich in ihren Augen sehen kann, dass sie mich verstehen.

So, ich liebe Kambodscha, ich genieße mein Leben und ich vermisse meine Lieblingsmenschen. Aber ich weiß jetzt schon, dass ich mich nach 5 oder 6 Wochen in Deutschland wieder wahnsinnig freuen werde, die Welt weiter zu erkunden. Verrückte Welt. Verwirrend.

 

 

 

 



2 thoughts on “Bist du gelangweilt vom Leben oder nur verwirrt?”

  • Liebe Laura,

    In so vielen deiner genannten Punkte erkenne ich mich wieder. Man bekommt auf Reisen so viele neue Welten eröffnet, wenn man sich die Zeit nimmt zu reflektieren kann man diese Welten in das eigene Leben vielleicht integrieren – vielleicht auch nicht. Schließlich ist ja jeder anders und will etwas anderes. Die Freiheit ist ja so toll aber wäre es nicht doch schön, etwas bekanntes oder noch besser: jemanden bekanntes um sich zu haben? Oder ist es nicht doch irgendwie leichter sich gegenüber Fremden zu öffnen, bei denen man sich immer wieder neu erfinden kann, so sein kann wie man gerne wäre, die die „dunkle Vergangenheit“ nicht kennen?

    Das Leben steckt so voller Möglichkeiten und egal wie oft man denkt, nun habe man alles verstanden und DAS ist das Leben was man will, ständig öffnen sich neue Türen. Und dann zwischen Moment genießen und Zukunft visualisieren – wo fängt man jetzt an?

    Nur ein kleiner Gedankenstrom meinerseits zu deinen Ausführungen! Toller Blogbeitrag, toller Blog, lese immer wieder gerne rein 🙂

    Liebe Grüße, Jenny

    • Oh wow, liebe Jenny, da ist mir dein Kommentar ganz unter gegangen. Dabei hast du so wundervolle Worte gefunden. Entschuldige bitte! Du hast absolut recht, es ist schon verrückt, wie das Reisen einem Möglichkeiten eröffnet sich neu zu erfinden. Ob das gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt. Danke, dass du deine Gedanken mit uns teilst und danke, dass du immer mal wieder reinschaust <3

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